Island 2014- Ein Reisebericht

 

 

 

03.07.2014/04.07.2014

 

 

 

Abflug von Hamburg 22.30. Bei der Sicherheitskontrolle war wie fast in jedem Jahr Land unter, was meinen Fotorucksack anbetraf. Er wurde wieder ein zweites mal durchgecheckt. Die ganzen Kleinutensilien musste ich rausnehmen, wobei alles sorgsam platziert war, damit es passt. Also, erst einmal wieder alles eingepackt, dann Laptop in die Laptoptasche, Schuhe angezogen und weiter. Der Flug verlief ruhig, obwohl Turbulenzen angekündigt waren. Zehn Minuten eher in Reykjavik angekommen ging es sofort zur Gepäckausgabe. Aber wie fast immer, kam mein Gepäck so ziemlich am Schluss. Das hatte zur Folge, dass ich auch am Schalter der Autovermietung länger warten musste. Egal, hatte ja nichts weiter vor. Ich wollte nur mein Hotel bei Holmavik um 18.00 Uhr erreichen. Somit blieben mir 17 Stunden Zeit, ein paar Stunden Schlaf unterwegs eingeplant. Es war trocken aber bedeckt und es wurde dann auch bald sehr stürmisch. Ich hoffte unterwegs auf möglichst viele Fotomotive und Lichtsituationen, die ich in den vergangenen Jahren auf den Fahrten nach Borganes und Grenivik so noch nicht wahrgenommen hatte.

 

Reykjavik lag schon eine Weile hinter mir, als eine dunkelblaue Regenfront aufzog. Links lag ein weißes, mit Graffiti geschmücktes landwirtschaftliches Gebäude mit Schafen darin, was sofort meinen Blick auf sich zog. Die Kombination von Licht und Motiv war ideal. Mein erster Stopp. Ich habe dort wohl eine Viertelstunde zugebracht, bis alles passte.


Weiter ging es gegen Norden mit weiteren Halts und schönen Situationen, die mit der Kamera festgehalten werden wollten. Zwischendurch kam auch der Schlaf nicht zu kurz. Zwei zweistündige Unterbrechungen der Fahrt waren angesagt, als Parkplätze auftauchten. Das Wetter wurde zusehends schlechter, es fing an zu regnen. Ich ließ mich aber nicht davon abbringen den geplanten Umweg zu nehmen, der mich einmal um die Halbinsel Vatnsnes führen sollte. Ziel war hier insbesondere die Felsformation Hvitserkur und die Seehunde. Der Wind hatte inzwischen Stärke 7 erreicht, die Wellen gingen hoch und hatten offensichtlich die Seehunde in’s Meer gespült, naja, sie waren zumindest nicht zu sehen. Hvitserkur habe ich nur vom einige hundert Meter entfernten Parkplatz sehen können. Als ich die Autotür aufmachte, hätte ich beinahe nur noch den Griff in der Hand gehabt. Heftige Böen in Sekundentakt. Der Weg sollte mich gegen Wind und Regen zum Ziel führen. Storno, Planänderung ! Also jetzt direkt zum Hotel. Nein, noch ein kleiner Stopp, als ein Polarfuchs die Straße querte.

In Holmavik wurde noch einmal vollgedankt. Unterwegs waren es aber immer wieder kleine nette Motive, die trotz des schlechten Wetters zum anhalten zwangen. Entscheidend war, dass die Motive in Windrichtung lagen, andere Ideen mussten konsequent aufgegeben werden. Auch ein Fotografieren von der Fahrerseite aus dem Beifahrerfenster heraus wurde damit bestraft, dass ich ein Handtuch aus dem Koffer holen musste, um das Auto innen wieder trocken zu legen. Aber auch ansonsten war eine permanente Kontrolle der Linse angesagt, auf der sich immer wieder Tropfen befanden, die sich als große weiße Flecken auf dem Foto niederschlagen würden.

 

Im Hotel angekommen gab es erst einmal eine warme Dusche und trockene Kleidung. Aber das Fotografenherz hat nicht locker gelassen. Noch einmal kurz die Umgebung abchecken und zwei, drei Situationen festhalten, die morgen vielleicht nicht mehr so vorhanden sind.


Um 22.00 Uhr war Feierabend, Augen zu und geschlafen.  

 

05.07.2014

 

Bei den Wettervorhersagen der vergangenen Tage war es nicht anders zu erwarten. Unwetterwarnungen waren gegeben. Ständiger Regen ließ die Bäche und Flüsse bis zu den Rändern ansteigen. Das Wasser färbte sich von Graublau zu Milchkaffebraun. Der Sturm hatte massiv zugenommen. Was tun ?  

Es gab eine Austellung mehrerer Künstler, u. a. mit Fotos meines Fotofreundes Claus Sterneck, in einer alten Heringsfabrik in Djupavik. Ich hatte mich angemeldet. So machte ich mich schon um 7.00 Uhr morgens auf den Weg. Der Weg führte ständig an der Küste entlang und ein Stück über einen Berg. Zunächst verlief die Fahrt ohne Schwierigkeiten. Jedoch sollte sich das bald ändern. Planierspuren zeugten von inzwischen geräumten Erdrutschen. Hinter der nächsten Kurve lagen aber schon wieder eine Menge großer Felsbrocken, die ohne Geländewagen mit ausreichender Bodenfreiheit nur zu umfahren oder wegzuräumen waren.

Das sollte sich einige Male wiederholen. An einer hohen steilen Felswand sah ich es auf der Schotterpiste – enorm starke Fallwinde spielten mit dem Schotter und den Wassermassen. Ich schaffte es nicht mehr rechtzeitig, das Auto vor dieser Passage zu stoppen. Zwei Meter rechts neben mir der 20 Meter tiefe und steile Abhang zum Meer. Die Fallwinde erfassten das Auto und schüttelten es heftig durch. Ich kam zum stehen und setzte ein paar Meter zurück um die Winde abzuwarten. Es dauerte keine zwei Minuten , dann wurde es ruhig – Gas gegeben und durch. Direkt hinter dieser Stelle ging es mit 12 % Gefälle steil bergab.

 

Das sollte es aber noch nicht gewesen sein. An mehreren Stellen der Schotterpiste strömten Bachläufe über der Straße hinweg, statt kanalisiert darunter durch. Das Wasser nahm den Schotter mit und hinterließ tiefe Rinnen. So musste ich mit dem PKW furten, wo eigentlich keine Furten waren. Naja, es waren auch nur ca. 15 Zentimeter Wassertiefe.

In Djupavik angekommen, war ich schon etwas erschöpft. Dennoch war erst einmal fotografieren angesagt. Am Strand von Djupavik lag ein altes gestrandetes Schiff, das inzwischen von Rost und Meer zu einem Gerippe degradiert wurde. Auch hier wieder der Kampf mit dem sich horizontal bewegenden Regen, der natürlich wieder aus der falschen Richtung kam. Warum ?? Dennoch wurden ein paar Fotos gemacht, das Bildbearbeitungsprogramm muss es dann richten.

Dann ab in die Fabrik, die Tür war offen. Von Claus fehlte jede Spur. Na gut, erst einmal die Ausstellung „Steypa“, auf deutsch Stahlbeton, angesehen. Eine wunderbare, gut gemachte Ausstellung. Klasse Arbeiten aller Aussteller in einem passenden Ambiente. Nach einer Stunde von Claus keine Spur. Ich wollte ihn anrufen – aber mein Handy zeigte kein Empfang. Ich wollte es noch einmal im Hotel im Ort versuchen. Wie sollte es anders sein, die Tür war verschlossen. Man sollte schon des Lesens mächtig sein, wie ich am anderen Tag erfuhr. Es gab ein Schild, das darauf aufmerksam machte, den Seiteneingang zu benutzen.

 

So fuhr ich dann zurück, obwohl ich die Küste eigentlich weiter hoch bis Krossnes fahren wollte. Aber ich befürchtete, dass die Straßenverhältnisse schlimmer würden und es bald kein Weg mehr zurück gegeben hätte.

 

Die Entscheidung war richtig, die Wassermassen hatten die Rinnen schon vertieft. Unterwegs noch ein paar Fotos von der stürmischen See und ein paar Schafen, die sich unter der Terasse eines pittoresken Hauses Unterschlupf gesucht hatten, gemacht und dann ab zum Hotel. Ein Blick auf die Tankuhr sagte mir, dass es besser ist, noch kurz in Holmavik zu tanken, obwohl der Tank noch halbvoll war. Der Besuch in Holmavik sollte aber nicht ohne eine weitere Motivsuche im Ort enden. Es regnete auch nicht mehr. Ein alter Bootsschuppen und ein kleiner Leuchtturm sowie viele farbige und zum Teil verrostete Arbeitscontainer im Hafen waren genau das, was ich suchte.

Trotzt der abenteuerlichen Fahrt und des katastophalen Wetters war es ein eindruckvoller Tag.  Island, wie ich es mag! Natur pur!

06.07.2014  

 

Der Wind hat stark nachgelassen, die Sonne schien und es war locker bewölkt. Eine gute Situation für tolle Fotos. Nichts ist schlimmer, als ein strukturloser grauer Himmel. Ich hatte gestern Abend noch mit Claus gesprochen, habe mich noch einmal am heutigen Tag mit ihm verabredet. Also die gleiche Strecke noch einmal und weiter rauf, aber mit besserem Licht, wie ich hoffte. Schon nach 10 Kilometer der Küste entlang setzte wieder Regen ein. Merde !

 

Wieder lagen stellenweise größere Felsbrocken auf der Straße, die umfahren werden mussten. Zum wegräumen waren sie zu groß. Einige Bachrinnen waren schon wieder mit Schotter verfüllt, aber es gab neue an anderer Stelle, die aber dennoch passierbar waren. In Djupavik angekommen, wurden erst einmal wieder Fotos vom Schiff gemacht, da ein ganz anderes Licht herrschte. Anschließend ging es wieder in die Ausstellung. Claus war gerade dabei eine Gruppe Turisten zu führen, wobei dies auch eine Besichtigung der Anlagen der alten Heringsfabrik einschloss. Ich bekam dann von Claus eine eigene Führung mit Erklärungen zur Entstehung, der Verabeitung des Fischs und Nutzung der Produkte. Ich bereue es nicht, diese zweite Fahrt der selben Route unternommen zu haben, zumal die Fahrt ja noch weitergehen sollte.

 

Am Mittag ging es dann Richtung Krossnes immer an der Küste entlang. Es ging immer noch ein leichter feiner Regen herunter, oder war es nur die Nässe der Wolken, die so tief hingen ?

Immer wieder tauchten Motive auf, alte Häuser, teilweise aufgegeben, mit Dächern in knalligem Blau, Grün oder Rot, die vor dem grauen Hintergrund des Himmels auf sich aufmerksam machten.

 

Oder die Krias, die „unverhofft“ – wie in allen Jahren zuvor auf’s Neue, bei jedem Ausstieg aus dem Auto planten ihre Brut zu verteidigten, indem sie mir meine letzten Haare rauben wollten. Naja, ein paar sind noch übrig geblieben.

Am Flugplatz von Reykjanes ging es runter an’s Meer und zum Leuchtturm. Dort gibt es auch heiße Quellen, die direkt in’s Meer führten. Leider ist das Baden durch den Eigentümer untersagt. War aber ohnehin für mich kein Thema, da ich Algen nur in Verdindung mit Meersalz zum Kochen mag.

 

Das Vorhaben nach Ofeigsfjördur zu fahren und die alte Fischfabrik in Eyri für ein Fotoshooting aufzusuchen, musste ich schon nach hundert Meter aufgegebn. Auch hier hat ein Bach eine tiefe Rinne in den Weg gespült, die mit dem PKW nicht zu durchfahren war.  OK, ein Motiv weniger ! Der Weg nach Krossnes war unspektakulär. Das Bad habe ich dann vor Ort auch nicht mehr aufgesucht, andere schon, der Parkplatz war voll.

 

So ging es jetzt zurück in’s Hotel. Trotz des immer noch schlechten Wetters wieder ein gelungener Tag, - Entspannung für die Seele.

 

Abends das Lunch und ein kühles Bier im Hotel und ab in’s Bett.

 

07.07.2014

 

Ich bin um kurz nach 5.00 Uhr aufgewacht, musste mal kurz auf Toilette. Ein Blick aus dem Fenster sagte mir: „Schluss mit Schlafen, die Sonne scheint“. Keine Minute verschenken, wer weiß, wann sie noch mal wiederkommt. Also geduscht, angezogen, Brote geschmiert und ab in’s Auto. Es war kurz nach 6.00 Uhr. Gestern hatte ich wieder die Hälfte des Tankinhalts verfahren. Da der Weg nach Isafjördur und weiter bis Flateyri noch sehr lang ist, also noch mal kurz zur Tankstelle nach Holmavik. Jetzt aber los und etwas Neues von Island kennen lernen - neue Landschaftssituationen bei traumhaftem Licht am heutigen Tag. Alles will für die Erinnerungen mit der Kamera festgehalten werden. Dinge, die das Auge und die Seele gesehen haben, die im Motiv stecken, werden im Jahresverlauf wieder mit den Fotos hervorgeholt. Durch ein Bildbearbeitungsprogramm werden dann noch Panoramen geschaffen, um seine wirklichen Eindrücke zu verdeutlichen und anderen mitteilen zu können. Island lebt lange nach dem Urlaub nach.

 

Island, die Sucht nach Erinnerungen !

 

Also, auf geht’s Richtung Isafjördur. Ich fuhr bereits weit über eine Stunde, ohne dass mir ein weiteres Auto begegnet war. Dann erreiche ich die Hochebene Steingrimsfjardarheidi. Ich ließ das Auto ausrollen, hielt an der Straße, stieg aus. Eine Stille umgab mich, wie ich sie Ewigkeiten nicht mehr wahrgenommen hatte. Man hätte eine Feder auf dem Asphalt aufschlagen hören können, kein Ruf eines Vogels – nichts !

Absolute Ruhe.  Sogar mein Tinitus hat sich in dem Moment verabschiedet. Der Anblick der Natur war einzigartig. Riesige Schneefelder, unter denen Flüsse ihre Tunnel gegraben hatten und daraus hervorschossen. Ich hätte Stundenlang verharren können. Warum nehme ich mir die Zeit nicht ? Es ist die Sucht nach weiteren bisher unbekannten Eindrücken in einem kleinen Zeitfenster, das sich Urlaub nennt. Dieses eben erfahrene ist aber so nachhaltig, dass es mich den ganzen Tag begleitet hat. Auf der weiteren Strecke fanden sich wieder viele Fotomotive, die mich zum halten zwangen. Alte verlassene Häuser, schneebedecke Berge, Farben und Formen und Alltägliches und Banales, dass wieder entdeckt werden wollte.

 

In Isafjördur war diesmal nur ein kurzer Besuch der Post angesagt, um Briefmarken für Postkarten zu holen sowie die Lebensmittel aufzufrischen. Weiter ging es nach Bolungarvik und weiter die Straße 630 nach Bolafjall. Hier empfing mich heute zum zweiten mal eine Stimmung, die ich lange in Erinnerung behalten werde. Wohl über sechs Meter hohe Schneewände rechts und links der Straße hinterließen ihre Eindrücke. Der Schneepflug wurde gerade abgeholt – Anfang Juli. Eine Handvoll weiterer Autos kamen hoch, womit ich hier nicht gerechnet hatte. Noch befand ich mich am Berghang. Ich wollte sehen, wie weit der Weg führte. Es ging den Berg steil hoch, mit Steigungen bis 14%. Oben auf dem Berg angekommen erwarteten mich dichte Wolken mit einer Sichtweite von ca. 15 Meter. Dann war Schluss ! Eine Kette versperrte den weiteren Weg mit dem Hinweis: „Nicht passierbar“.

Die Atmosphäre noch einmal tief einsaugen ! Dann ging es zurück und weiter zum Gästehaus Kirkjubol i Bjarnadal bei Flateyri. Dort in dem gemütlichen und sehr empfehlenswerten  Haus angekommen, wurde nur das Gepäck kurz abgeladen, der Zimmerschlüssel in Empfang genommen und schon ging es weiter, die Umgebung zu erkunden. So lange die Sonne schien, keine Sekunde verschenken. Wer weiß was morgen ist, die Wettervorhersagen ließen nichts Gutes erahnen. Bei einem Blick auf die Karte entschloss ich mich zu einer Fahrt in Richtung Pingeyri, um dann aber von der Straße 60 auf die 624 Richtung Nupur abzubiegen, die bis zur Küste nach Sæból führt. Eine richtige Entscheidung ! Hier erwartete mich das dritte und vierte „WOW-Erlebnis“ des Tages. Die Straße führt über einen Bergpass wieder in’s Tal hinunter. Oben auf der Bergkuppe angekommen wieder weite Schneefelder und eine ... Ruhe !!!!!!!!!!

 

Fantastische Ausblicke in’s Tal sowie eindrucksvolle Bergkuppen vor einem blauen Himmel ließen die regenreichen Tage vergessen. Ein paar einzelne Wolkenfelder zogen vorbei. Der Weg in’s Tal ging steil berab.

An der Küste angelangt fanden sich ein paar Häuser, zerfallene landwirtschaftliche Gebäude und eine kleine Kirche. Eine Idylle, die sich in Sekundenbruchteilen in eine dramatische Szenerie verwandeln sollte. Dichte blaugraue, im nächsten Moment weiße Wolkenfetzen, fielen von den Bergen herunter und gaben diesem Ort etwas mystisches, unwirkliches. Dazu passten die Rufe der Vögel, die in dem Moment zu vernehmen waren. Das Fotografenherz schlug wieder ohne Unterlass.

 

Die Speicherkarte war voll, musste gewechselt werden, gerade in dem Augenblick, als sich eine Seeschwalbe drei Meter vor mir auf einem Weidepfahl niederließ. Das Öffnen und Schließen der Autotür schien sie aber nicht zu stören, sie blieb einfach sitzen. So gab es noch ein paar Vogelportaits. Auch ein Rotschenkel wollte fotografiert werden, setzte sich gleich auf den Nachbarpfahl. OK, eigentlich wollte ich Feierabend machen, aber ich bin ja nicht so!

 

Was für ein Tag !

Am  Abend gab es noch einen schönen Sonnenunergang in Flateyri.

Es ist erst der vierte Tag, aber toppen kann ihn nichts mehr. Alles was jetzt kommt sind Zugaben. Island, ich bin angekommen!

 

Ab zurück zur Unterkunft. Dort lamb chops und ein Bier genehmigen und genüsslich einschlafen.

 

 

08.07.2014

 

 

 

Es war bewölkt, leichter Regen fiel. Ich hab es auch nicht anders erwartet. In aller Ruhe wurde gefrühstückt und Reiseberichte sowie Postkarten geschrieben. Ich zehrte noch vom gestrigen Tag, bin zufrieden. Gegen Mittag setzte der Regen fast aus und ich machte mich doch noch auf den Weg. Es sollte nach Sudureyri und nach Isafjördur gehen. Letzteres um mich im Vinbudin mit „Schlafmitteln“ zu versorgen. Die Vorräte im Gästehaus sind doch eher etwas für Rockefeller und co. Ein Bier für 1000 Kronen, der Wein für 3900 Kronen, nein Danke ! Im Vinbudin bekam ich dann 3 Dosen Bier und 2 Flaschen Wein für das gleiche Geld. Ich könnte mich in den Hintern beißen, dass ich gestern so einen Durst hatte und nicht bis heute warten wollte – 1300 Kronen ade!!

Sudureyri war vom Wetter her weniger erfolgreich. Ein sehr schöner Ort, aber es gab nur ein paar Verlegenheitsfotos. Dagegen war der Weg nach Sudureyri und Isafjördur, den ich zum Teil ja schon gefahren bin, schon sehr spannend. Er führt durch einen Tunnel mit Abzweigung im Berg. Interessant ist aber, dass die Straße bis zum Abzweig und nach Sudureyri einspurig ist, mit Haltebuchten auf einer Seite. Eine Spur hat dagegen generell Vorfahrt.

 In Isafjördur gab es dann noch ein paar schön restaurierte  Oldtimer zu sehen.

 

 

Gegen 16.00 Uhr wurden die Speicherkarten auf den PC gespielt, und die Fotoergebnisse in Augenschein genommen. Ein magerer Tag in dieser Hinsicht. Aber insgesamt. Sehr erholsam.

 

09.07.2014

 

7.00 Uhr, ein erster Blick aus dem Fenster. Es ist trocken, aber bedeckt, aber Gott sei Dank nicht alles Grau in Grau. Um 8.00 gab es Frühstück, die Basis für den Tag. Heute sollte die Tour nach Pingeyri gehen und weiter auf der Straße 622 bis zu der Stelle, an der es nur noch mit einem Allrad weitergeht. Außerdem wollte ich die 60 weiter Richtung Süden bis zum Arnarfjördur fahren. Der weitere Weg nach Süden war für den nächsten Tag geplant, da es dann ohnehin in diese Richtung zur nächsten Unterkunft nach Raudisandur geht.

 

Es ist auf dem Weg zunehmend heller geworden, zum Teil war so etwas wie Blau zu erkennen. Fototechnisch gar nicht schlecht ! Nur ein kurzes Stück hinter Pingeyri gab es ein leer stehendes gelbes altes Haus. Rost machte sich auf der Wellblechverkleidung breit. Die Pflanzen drumherum erwirkten ein Dornröschen Millieu. Gebremst, rückwärts ging es in die alte Einfahrt bis zur Viehroste am Zaun. Ein traumhaftes Motiv tat sich auf. Stativ, Blitz und Fernauslöser  waren schnell aufgebaut.

Nach einer halben Stunde ging es weiter um die Halbinsel bergan und bergab. Wunderschöne Ausblicke ergaben sich. Schafe und diverse Vögel forderten zum Fotografieren auf. Dann musste ich umkehren. Den 4x4 für diese weitere und andere Strecken hatte ich schon gemietet, dann aber kurzfristig storniert, nachdem die Wettervorhersagen katastophal waren.

 

Etwas muss ja noch für die Zukunft übrigbleiben. Wieder in Pingeyri angekommen, ging es die 60 hinter dem Ort den Berg hoch. Gleich zu Beginn tat sich ein großes blaues Meer an Alaskalupinen auf. Ein kurzer Halt neben einer großen Gruppe von Japanern, die daran ebenfalls Gefallen gefunden hatten. Die Männer der Gruppe hatten sich ja mit brauchbaren Kameras ausgestattet, die Frauen jedoch, wie schon am Jökulsarlon beobachtet, zogen ihre iPads zum Fotografieren vor. Auch die gegenseitige Fotografie wurde so vollzogen. Zwei Frauen mit einem Brett... äh... Tablet vorm Kopf ! Was für ein Bild !

 

Weiter ging es zunächst in’s Tal und dann den Berg hoch, wo mehrere Meter hohe Schneewände mich erwarteten. Und...  eine Gruppe Japaner ! War ich jetzt der Hase aus dem Märchen ? Ich sah nur noch Igel .. äh.. Japaner. Ab dran vorbei, aber die Ausblicke von da oben waren grandios. Noch ein kurzer Halt, die rote Schutzhütte fotografiert und runter in’s Tal. Unterwegs kamen mir zwei Fahradfahrer entgegen, 10 % Steigung und die Fahrräder vollgepackt, dass man kaum etwas von ihnen sah. 10 ° Außentemperatur, der Mann in T-Shirt, die Frau in fester Regenjacke. Ja, ja, die immer frierenden Frauen ! Aber halt.... nicht ganz fein, der Mann fuhr im Windschatten. So kann man sich dann auch ein T-Shirt anziehen. Unten am Fjord angekommen bog ich noch ein kurzes Stück auf das Ende der vorhin schon gefahrenen Straße 622. Gleich zu Beginn wieder ein altes leer stehendes Gebäude, was mich zu einem weiteren Halt zwang. Das Aussteigen zum Fotografieren war von vorn herein ein Wagnis, da Krias hier ihr Brutgebiet hatten, wobei die zahllosen Jungen schon neben den Eltern herliefen. Dennoch, Jacke mit Kaputze angezogen und kurz raus. Überraschender Weise hielten sich die Angriffe sehr in Grenzen. Nach 3 Minuten war das Motiv auch im Kasten.

Jetzt ging es zurück in die Unterkunft. Am Dyrafjördur noch ein kurzer Halt  für ein  selfshooting an einem alten Bootsschuppen. Dann fing es auch schon wieder an sich zuzuziehen und leicht zu regnen. Ab in die Herberge und Bericht geschrieben. Fotos wollten ebenfalls wieder gespeichert werden und ... ich war hungrig und durstig! Ich hatte ja noch von dem günstigen Bier.

10.07.2014

 

Einen Tag früher als geplant ging es heute zu meiner nächsten Station, Rauðsdalur, im Süden der Westfjorde. Da ich aus witterungsbedingten Gründen auf die Tour mit einem Geländewagen auf der 622 verzichtet hatte und es im Süden noch reichlich zu sehen gab, fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Was soll ich mit einem Geländewagen im Hochland, wenn mir die Wolken bis auf die Socken hängen.

Es fing wieder an zu Regnen. Zunächst ging die Fahrt über Pingeyri zum Dynjandi. Da alles Grau in Grau war, habe ich auf den Aufstieg ganz nach oben verzichtet und mich mit den kleinen Wasserfällen am Fuß beschäftigt. Lediglich ein paar Fotos als Panorama waren von dem großen Bruder angesagt. Bei den Aufnahmen merkte ich aber, dass Juli in Island ist und dass ich etwas vergessen hatte einzupacken – mein Antibrumm! Sie tun ja nichts die Mücken, sind aber unendlich lästig.

Dann ging es weiter auf der 60 ins Hochland und es wurde primär eine Fahrt durch die Wolken mit Sichtweiten zwischen 20 und 30 m, was einherging mit permanenter Nässe. Das hatte wiederum zur Folge, das mein Auto komplett von Silbergrau auf Kakaobraun umlackiert wurde, und zwar in einer Schichtstärke von bis zu 2 mm.

Gelegentlich gab es aber auch mal einen blauen Fleck am Himmel und auch ein paar Sonnenstrahlen. Das waren wieder die Momente, wo das Auge Motive suchte, um sie abzulichten. Auf der Straße 63 aus Bildudalur kam mir ein kanadisches Paar auf Fahrrädern erschöpft bergauf entgegen, vollgepackt mit gelben Satteltaschen. In Verbindung mit den gelben Begrenzungspfählen ein schönes Motiv. Das Paar hielt an. Es ergab sich eine nette Unterhaltung mit Austausch der Adressen zwecks Zusendung der Fotos.

Es ging weiter nach Bildudalur runter, vorbei an einem Vogelgebiet. Die Vögel saßen neben der Straße auf den Weidepfählen und ließen sich bereitwillig aus 3 m Entfernung fotografieren.

 

Weiter ging die Fahrt nach Bildudalur, Talknafjördur und Patreksfjördur. Bildudalur hatte meines Erachtens wenig Charme, besser war da Talknafjördur, insbesondere aber Patreksfjördur. Dieser Ort ist wunderschön mit sehr vielen pittoresken Elementen. Wunderschöne, einzigartige historische Gebäude und Wohnhäuser, eine eindrucksvolle Hafenanlage mit einer Zeile aus maroden Arbeits- Werk- und Lagercontainern und angrenzendem Vogelschutzgebiet machten einen Aufenthalt kurzweilig. Hier wurde noch kurz der Bedarf an Lebens- und insbesondere Schlafmitteln aufgefrischt, - Wein und Bier.

 

Kurz vor erreichen der Unterkunft gab es noch ein Highlight, was fotografiert werden wollte, ein altes verlassenes Gehöft. Es waren zwei Assembles aus Hof- und Stallgebäude. Beide für sich fotogen. Es war noch früh – 16.00 Uhr – aber die lange Fahrt hatte mich geschafft. Morgen ist auch noch ein Tag !

11.07.2014 

 

 

Nachts hatte es geregnet und gestürmt. Von höchster Stelle war offensichtlich ein Waschen und Fönen des Autos angesagt. So bin ich nach dem Aufwachen erst mal raus und habe das Auto gewendet, damit auch die andere Seite wieder sauber wird. Nachdem ich ausgestiegen war, hörte der Regen auf. Na gut, dann eben halb sauber ! Trocken blieb es dann, vorweggesagt, bis ca. gegen 15.00 Uhr. Nicht nur das, es schien die Sonne und es gab wunderschöne Wolkenbildungen. Fotoherz, was willst du mehr ! Zunächst erst einmal am Strand vor der Haustür das glitzernde Wasser mit dem gelben Sandstrand fotografiert.

 

Heute sollte der Weg nach Seladalur, zu den Hinterlassenschaften des Künstler und Baumeisters Samuel Jonsson, an der Spitze des Tals am Westufer des Arnarfjördur gehen. Somit musste ich wieder durch Bildudalur. Diesmal ging es aber andersherum, als bei der Herfahrt, also weiter die Straße 62 in Richtung Osten und dann wieder auf die 60. An der Kreuzung wurde erneut getankt. Von der 60 bog ich nach einer Weile auf die 63 ab. Hier waren wieder Wolken pur angesagt, die Straßen waren noch nass. Also der Rest des Autos nahm wieder die kakaobraune Farbe an. Wie schon am Vortag gab es aber immer wieder Lichtblicke mit fantastischen Ausblicken. Zudem gab es einen Wasserfall, an dem ich noch ein paar Fotostudien vorgenommen hatte.

 

Unten am Fjord angekommen noch mal einige Aufnahmen der dort vorhandenen Vogelwelt und anderen Dingen.

 

Hinter Bildudalur dann eine traumhafte Küstenstraße, in deren Verlauf es wunderschöne Uferstreifen mit Vogelreservaten gab. Tolle Strände, weite Weideflächen mit Schafen und sagenhafte Lichtsituationen und vielen Kleinods. Am Ende der Straße dann die Bauwerke von  Jonsson. Leider sollte dort offensichtlich ein ehemaliges Gebäude rekonstruiert werden. Das ganze Gelände lag voll Bauholz, Mischmaschine und anderen Baugeräten. Nicht so tragisch, ich hatte einen Eindruck bekommen. Ein Foto von der Kirche und schon ging es zurück. Der Weg führte unweigerlich wieder über Patreksfjördur – ja, andere Möglichkeiten sind hier mehr als eingeschränkt, um nicht zu sagen, es gibt sie nicht!

Auf dem Rückweg war es diesmal ein Biker-Paar mit grünen Outfits, das mir entgegenkam. Auch nicht schlecht ! Gestoppt und im Bild festgehalten.

 

Patreksfjördur mit seinen Motiven noch einmal in einem anderen Licht zu sehen war gut. Es hat eine Stunde gedauert, bis ich da wieder weg kam. Was tun mit dem restlichen Tag und dem tollen Licht ? Da Raudasandur – bei Ebbe ein toller weiter Sandstrand mit rötlichgelbem Sand, so gut wie auf dem Weg lag, war der Plan klar. Unterwegs nahm ich noch eine Backpackerin aus Spanien mit, die das selbe Ziel hatte. Dort angekommen, war die Sonne weg und es fing wieder an zu regnen. Also wurde es eine Rundfahrt im Auto. Ein paar Fotos von der Passstraße auf den Strand mussten erst einmal reichen. Wir fuhren dann noch den Uferweg lang und dann zurück. Ich setzte die Spanierin ein Stück weiter an einer Kreuzung ab und fuhr zur Ferienwohnung. Wieder war es 16.00 Uhr, als die Tagestour ihr Ende nahm.

 

Es war schöner und eindrucksvoller Tag.

 

12.07.2014

 

Der vorletzte Tag ! Heute stand der Besuch Latrabjargs an sowie ein zweiter Versuch Raudisandur in seiner ganzen Pracht zu sehen, Zudem wollte ich, soweit noch genügend Zeit ist, auch noch die Sraße 615 fahren. Morgens weckte mich die Sonne wieder früh, so war ich ohne Frühstück schon um 6.30 Uhr unterwegs. Ich hatte ja mein Reiseproviant immer im Auto. Zunächst ging es zum Latrabjarg, da bei Raudisandur das Wasser noch nicht abgelaufen sein durfte. Auf dem Weg dorthin kam ich am Museum von Egil Olafsson vobei. Schon von weitem konnte man das alte zerlegte Flugzeug der US-Navy sowie zwei alte Fischkutter sehen. Ein paar Fotos wurden gemacht und es ging weiter. Vorbei ging es am Flugplatz und dem eindruckvollen Dünengebiet. Das Licht, das auf den Fjord fiel, ergab immer wieder faszinierende Eindrücke. Dann sah ich von der Bergstraße in’s Tal blickend eine kleine Ferienhaussiedlung am Latrabjarg. Bezaubernd gelegen mutete sie wie ein kleiner Ort im Lande Lilliput an. Dunkle beigegraue Wolken zogen herein und gaben dem Ganzen etwas Unreales. Auch diese Szene wurde durch mehrere Fotos festgehalten.

 

Schließlich kam ich auf dem Parkplatz am Latrabjarg an. Lediglich zwei Autos standen dort zu so früher Stunde. Gleich ging es auf den Weg nach oben. An der ersten Klippenkante angekommen war nichts von Puffins zu sehen. So ging ich den weithin sichtbaren Trampelpfad weiter. Aber auch an den weiteren einsehbaren Klippenkanten war kein Papageientaucher zu finden, lediglich Tordalken und einige Möwen, die ihre Jungen schon im Nest hatten. Wieder wurden einige Fotos gemacht. Der Weg führte weiter auf die Spitze der Klippe zu, wo ich eine Person stehen sah. Ein Versuch ist es Wert dachte ich mir, aber es war ein Weg von mehreren Kilometern den Berg hinauf über glitschige Felstücken hinweg und das bei inzwischen auf Windstärke 6-7 aufgefrischtem Wind. Nach dreiviertel des Weges machte mein Körper zu, mein vor Jahren an der Patellasehne operiertes Knie machte nicht mehr mit, das Herz pumpte. Umkehr !! Egal, dachte ich mir, war halt ein wenig Frühsport, konnte nicht schaden. Die Hose fing auch schon an zu rutschen, ... diese sportliche Einlage zeigte offensichtlich schnell Wirkung.

An der ersten Felsklippe wieder angekommen, waren schone viele Touristen vor Ort und .... auch die Puffins waren da. Ich hatte vorhin wohl noch Schlaf in den Augen. 

 

Wie gewohnt waren sie gar nicht scheu. Aus zwei Meter Entfernung gab es viele Aufnahmen.

Dann machte ich mich wieder auf den Weg zum Raudisandur. Diesmal passten Licht, Wolken und Gezeiten, so dass es schon von der Passstraße runter in’s Tal einen traumhaften Anblick gab. Erneut wurden aus dieser Perspektive einige Fotos geschossen. Der weitere Weg führte mich dann die Straße links herum zum Campingplatz. Dort ließ ich das Auto stehen und ging zu Fuß zum Strand. Eindrucksvoll präsentierte das Licht den Sandstrand in einem hellen Orangegelb. Ich genoss den Anblick und die Ruhe. Es war Mittagszeit, mein Magen knurrte so ohne Frühstück. Ich hatte ja noch mein Proviant im Auto, aber es zog mich zu dem Cafe an der Straße nach Lambavatn. Dort setzte ich mich auf die Terrasse, nahm ein Sonnenbad und bestellte mir zwei Lachsbrote und ein Bier. Ich hätte sicher noch eine ganze Weile dort sitzen und entspannen können, wenn mich die Sucht des Fotografen nach besonderen Fotomotiven und Lichtsituationen nicht wieder auf die Beine getrieben hätte.

Gleich neben dem Cafe gab es noch eine kleine schwarz gestrichene Kirche, ...ein paar Fotos und weiter ging es. An der Abzweigung von der Straße 612 zur 615 sah ich auf dem Hinweg ein paar abgestellte, gelbe alte Baumaschinen. Typisch isländisch, ausgebraucht und im Gelände stehen gelassen. Man sieht sie allerorts, - Trecker, Landmaschinen und Industrieschrott. Diese hatte ich mir als Ziel ausgesucht. Das Licht kam aus der richtigen Richtung und setzte die Objekte gut in Szene. So brauchte ich keine Fotoserien für ein späteres HDR zu machen.

 

Weiter ging die Fahrt auf der Straße 615 zum Leuchtturm Sellatránes. Auf dieser Tour gab es noch zahlreiche schöne Motive bei tollem Licht!

Nun ging es zurück zur Unterkunft noch einmal an der Gardar BA 64, dem Stahlschiff von 1912, vorbei. Ich hatte es schon einmal fotografiert, jedoch bei bedecktem Himmel. Heute schien die Sonne. Noch einmal eine Fotoserie ! Jetzt aber endgültig Schluss für heute, obwohl ..... man sollte die in diesem Jahr nur selten angetroffenen Sonnenstunden ausnutzen. Nein, es ging nichts mehr, konnte keine Eindrücke mehr aufnehmen, nicht mehr fotografisch umsetzen.

In der Unterkunft wurde noch der Reisebericht geschrieben und die Fotos von der Speicherkate auf den Laptop überspielt. Ein paar geschmierte Brote waren das Abendbrot und ein paar Bier ließen den Tag ausklingen.

13.07.2014  

 

Der letzte Tag war angebrochen. In aller Ruhe wurde gefrühstückt. Gestern ist noch eine Reisegruppe aus Deutschland angekommen, die einer Vereinigung Nordland Interessierter angehören. So gab es noch ein wenig Smalltalk. Dann ging es los, der Weg war weit. Als reine Fahrzeit ergaben sich 5 1/2 Stunden und ich wusste nicht, was mich unterwegs noch erwartete. Ein Blick aus dem Fenster sagte aber, dass das Wetter wieder einmal nicht wirklich gut war. Weitgehend durchgängig bewölkter Himmel und leichter Regen war angesagt. Zudem wehte wieder ein starker Wind. Bei Brjánslækur, dem Hafen, der die Westfjorde mit Stykkisholmur verbindet, wurde noch mal kurz aufgetankt. Das Wetter wurde zunehmend schlechter. So ging die Fahrt zügig nach Osten.

Landschaftsfotos waren hier meist das Opfer. Lediglich kleinere Stopps fanden statt, als pittoreske alte Gebäude auftauchten, oder ein Wasserfall, der aussah, wie der Dynjandi im Kleinformat. Ebenso wurde der Islandmohn in seiner ganzen Pracht im Foto festgehalten. Auch eine Schutzhütte im Hochland an der jetzt nach Süden verlaufenden Straße 60 vor Budardalur wurde nicht ignoriert. Sie leuchtete in orange im neblig graublauen Wolkenvorhang.

 

Den nächsten Halt gab es erst wieder an den Gabrokkratern bei Bifröst. Bei unserer zweiten Island-Tour 2011 haben wir mit unserer Fototruppe in der Nähe unser Ferienhaus gehabt, es aber nicht geschafft die Krater zu besichtigen. Nun sollte es soweit sein. Der kurze, über eine Holztreppe führende Aufstieg brachte den gestrigen Weg zum Latrabjarg in Erinnerung. Meine Waden schmerzten. Der Weg war jedoch nur kurz. Die Eindrücke entschädigten den kurzen Schmerz.. Nach einer Dreiviertelstunde ging es weiter. Jetzt kam auch die Sonne wieder aus den Wolken heraus.

Das wollte ich nutzen, als ich wieder an einigen alten landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäuden vor vorbeikam, die ich ja schon in der Nacht nach der Ankunft vor einer graublauen Regenfront fotografiert hatte. Noch mal ein paar Fotos bei einem anderen Licht erzeugten eine ganz andere Wirkung.

Um 19.00 Uhr wollte ich am Flughafen sein, das Auto abgeben und das Endspiel der WM gucken. So blieb noch reichlich Zeit für weitere Fotostopps. Kurzfristig entschied ich mich, noch einmal die Blaue Lagune anzusteuern, die ich bisher ebenfalls nur bei schlechtem Wetter fotografieren konnte. Dort angekommen fing es heftig an zu regnen und es wollte nicht aufhören. Musste das sein ? Na dann vielleicht im nächsten Jahr. So steuerte ich Grindavik an, das auch viel Fotogenes zu bieten hatte. Neben dem Hafen und dem Leuchtturm gab es eine Rundtour durch ein Lavafeld, in dem zahlreiche Schiffsteile platziert sind, die von den in der gefährlichen Brandung vor Ort gestrandeten Schiffen stammen. Es regnete noch immer. So machte ich an der Einfahrt zum Lavafeld eine Pause, schmierte mir ein paar Brote und resümierte so vor mich hin, als ein Austernfischer sich direkt neben das Auto auf einen Stein setzte. Er steckte seinen Kopf in das rückwärtige Federkleid und machte ein Nickerchen. Ich legte das Brot beiseite, holte die Kamera vom Beifahrersitz und ließ die Seitenscheibe herunter. Der Vogel wurde wach, sah mich an, schüttelte sich den Regen vom Leib und steckte seinen Kopf wieder unter die Flügel. Besser hätte es nicht laufen können. Das ergab feine Aufnahmen. Der Brachvogel, der Sekunden später vorbei kam, war dagegen etwas scheuer, hielt Abstand.

Der Regen hörte nicht auf, ...OK, dann eben die Tour mit Regen. Beim Leuchtturm fing das Problem an. Da der Regen nicht senkrecht herunter kam, sondern wieder ziemlich schräg, musste ich den Leuchtturm wieder in Windrichtung fotografieren, was leider nicht die ideale Seite war.

Das nächste Ziel war dann das Hochthermalgebiet Gunnuhver. Auch hier war ich mit meinen Fotofreunden schon einmal 2012 gewesen. Jedoch zeigte sich das Gebiet ganz anders. Die Zuwegung war verlegt worden und auch die Stege schienen einen anderen Verlauf zu haben. Das Kraftwerk am Rande des für Touristen erschlossenen Gebietes wirkte viel mächtiger und ausgedehnter, als noch vor zwei Jahren. Vielleicht lag es jetzt nur am anderen Licht. Dennoch beeindruckte Gunnuhver wieder durch seine Aktivität und den Farben.

 

Es hatte aufgehört zu regnen, - die Gelegenheit eine weitere Serien an Fotos von diesem tollen Landschaftsteil zu machen.

Als letztes Tagesziel führte mein Weg nach Sandgerdi. Hier wurden noch ein paar Aufnahmen vom Hafen und dem Leuchtturm gemacht, bevor es dann zum Flughafen ging. Dort angekommen, hieß es, dass es aus technischen Gründen kein Fußball zu sehen gab. Was nun ? Wieder in’s Auto gesetzt ging die Fahrt zum Guesthouse nach Keflavik. Dort konnte ich mich zu den anderen Gästen in den Aufenthaltsraum setzen, genüsslich ein Bier trinken und gemeinsam das Endspiel ansehen. Nach dem Sieg wurde reichlich Jägermeister ausgeschenkt. Da ich ja noch die zwei Kilometer zum Flughafen zurück musste, habe ich aber leider darauf verzichten müssen (na ja, bis auf zwei, grins ).

14.07.2014  

 

Sicherheitskontrolle ! Was ist das jetzt ? Mein Fotorucksack ging ohne auspacken durch – es passieren Sachen !!

 

Pünktlich um 01.00 Uhr morgens ging der Flug zurück. Kaum gestartet musste ich eingeschlafen sein. Kein Snack, kein Getränk mehr an Bord – muss ich mir beim nächsten Flug dann doppelt geben lassen. Nach zwei Stunden bin ich um 5.00 Uhr morgens Ortszeit aufgewacht. Ein Blick aus dem Fenster sagte mir auch warum – Ein Motiv guckte mich an. Es war der Mond in einem dunkelblauen Himmel und darunter die orangefarbenen Wolken des Sonnenaufgangs.

 

 

Resümee  

10 Tage Island sind um, diesmal allein, nicht in einer Gruppe. Es ist ein anderes Reisen, fotografieren ! Zwangsläufig und gewollt ! Zunächst einmal gewollt, weil es für mich einfach eine Auszeit aus dem beruflichen Stress geben musste, in der ich mir Zukunftsgedanken machen konnte. Das wäre in einer Gruppe nicht gegangen, man wäre immer abgelenkt worden. Man hätte Rücksicht auf die anderen genommen, sich einschränken müssen, in allen Belangen. Geht das immer ? Nein ! Man kann manchmal nicht aus seiner Haut. In diesem Jahr war es so, dass Island zu einer seelischen Pilgerfahrt werden sollte, zur Findung der inneren Ruhe. 10 Tage sind dafür zu kurz, aber ein Anfang. Es wird nicht die letzte Reise allein gewesen sein.

 

Der Nebeneffekt war der, dass man sich den Tagesrhythmus erstellen konnte, wie man wollte. Man konnte eigene Motivvorlieben wahrnehmen ohne abhängig von einer Gruppendynamik zu sein. Man konnte halten wo, wann und wie lange man mochte.

 

Dagegen war der fehlende Austausch mit anderen zu setzen, der gemeinsame Spaß, der sonst ständig präsent war. Das abendliche gemeinsame entspannen im Hot Pot, das Planen der Tagestouren, dass “für einander da sein“ beim Suchen nach dem verlorenen Objektiv, was damit verbunden war nach einer langen, anstrengenden Tagestour den Weg noch einmal zurück fahren zu müssen, sind Erlebnisse, die Fehlen. Es sind Dinge, die man mit einander teilt.

 

Island allein war teuer. Es hat bei gleicher Basis etwa das doppelte gekostet, wie in der Gruppe, wo sich die Kosten für das Ferienhaus, das Auto und Benzin dividieren. Die Unterkunft im Gästehaus/Hotel, der Flug, das Auto, Benzin und Verpflegung machten ca. 240 Euro am Tag aus.

 

Alles in allem, es waren traumhafte 10 Tage, die mir Entspannung pur gebracht haben !